Die Wahl haben - ein Gastbeitrag von Nina Börning

 
 

Schon wieder Wahlen! Es ändert sich ja doch nichts! Guckt euch doch mal an, was hier passiert, alles wird schlechter! Wird es das wirklich? Nina Börning ist gebürtige Bad Gandersheimerin und lebt seit einigen Jahren in Sambia. Sie hat sich Gedanken gemacht und erklärt, warum das Wahlrecht in Deutschland so wichtig ist.

 

Deutschland ist im Vergleich zu vielen anderen Staaten in der Welt ein eher kleines Land, es gibt auch nicht viele Rohstoffe, aber wir schaffen es im weltweiten Vergleich eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder der Welt zu sein. Unsere Arbeitslosigkeit ist sehr niedrig und selbst Menschen die keine Arbeit haben müssen keinen Hunger leiden. Dies ist anders in vielen anderen Teilen auf der Welt. In vielen Ländern, beispielsweise in Sambia gibt es bis heute keinerlei soziale Absicherung.

Wenn man seine Arbeit verliert kann man nur hoffen, dass man entweder gespart hat oder die Familie einen ernähren kann. In einem Land mit 80% Jugendarbeitslosigkeit muss dieses zu Problemen führen.

Deutschland hat sich für ein anderes System entschieden. Wir, die Wähler, haben uns dafür entschieden immer wieder Parteien zu unterstützen deren Hauptinteresse das Allgemeinwohl war. Deren Einsatz für das Land über dem eigenen Vorteil steht.

Demokratie heißt die Wahl haben. Es heißt ich kann mir überlegen welche Werte, Normen und welche Lebensweise ist es die ich leben möchte.  Ich kann die Leute wählen, die diese am besten vertreten. Wenn keiner meine Werte vertritt kann ich eine eigene Partei gründen und durch diese meine Interessen selbst vertreten. Jeder hat die Möglichkeit Teil des Prozesses zu sein.

Man darf, ja man soll sogar seine Meinung vertreten in Deutschland. Eine Tatsache die Deutschland so attraktiv macht.

Alle Parteien stehen auf dem Grundgerüst unseres Grundgesetzes. Wenn Sie, lieber Leser nicht mit der aktuellen Politik übereinstimmen haben Sie das Recht, ja geradezu auch die Pflicht dieses Kundzutun. Dies kann im Kreis der Familie sein, dies kann ein Leserbrief sein, dies kann der Stammtisch sein oder auch eine politische Diskussionsrunde. Das schöne ist in einer echten Demokratie wird die Meinung wertgeschätzt!

Wir wissen, dass wir diesen Meinungsaustausch benötigen. Wir wissen auch, diese Diskussion muss sich um Inhalte, Werte und Normen drehen und sollte niemals in persönliches abdriften.

In Sambia wurde im August ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt. In einer Stadt im Süden des Landes haben junge Leute (13-16 Jahre) Lieder auf der Straße gesungen, welche sich gegen den Präsidenten richten. Diese Jugendlichen mussten für 2 Tage in ein Gefängnis. Die Meinung sagen wird nicht immer gerne gesehen. Wenn man zur Opposition gehört gibt es viele Gründe weswegen man schnell angeklagt wird und dann erstmal seine Unschuld beweisen muss. Zum Glück gibt es auch in Sambia Strukturen die es ermöglichen sein Recht zu erhalten, aber es dauert evtl. länger.

Generell war der sambische Wahlkampf stark geprägt von einer persönlichen Streitkultur. Es geht vermehrt um die Persönlichkeit, wirtschaftliche Hintergründe und Hobbys der Kandidaten. Es geht darum wer was zu wem gesagt oder wer wen beleidigt hat.

Es ist fast nicht möglich ein klares Programm einer der Parteien zu erhalten. Ja, es gibt Plakataktionen, es gibt Haus-zu-Haus-Verteilungen, aber man bekommt meist nur einen Zettel in die Hand mit dem Bild des Kandidaten, dem Namen der Partei und der Aufforderung zu wählen.

Wie lobe ich mir doch die Informationsflut in Deutschland vor den Wahlen, wo ein Wahlomat bei der Meinungsbildung helfen kann, die Informationsstände der Parteien regelmäßig zur Verfügung stehen und ich alle Fragen direkt mit den Kandidaten besprechen kann und ich sicherlich vernünftige Antworten erhalte.

Ich lobe die Tatsache, dass ich gegen eine Mehrheit sein kann, aber mit den Leuten, die diese Mehrheit vertreten gemeinsam lachen kann. Ich lobe die Tatsache, dass ich nicht mit jedem übereinstimmen muss, sollte jemand mit einer anderen Meinung gewinnen habe ich immer noch viele Sprachrohre und muss keine Verhaftung fürchten. Ich muss auch nicht befürchten vergiftet zu werden.

Es freut mich, dass auch Menschen aus anderen Ländern in Deutschland eine Meinung haben dürfen und ihre Stimmen gehört werden können, ohne dass sie die Gefahr laufen ihren Aufenthaltsstatus zu verlieren.

Wir haben die Wahl, wir sind angehalten eine Meinung zu haben. Wir leben in einem kleinen, aber sehr mächtigen Land. Vieles bei uns wird von anderen Teilen der Welt bewundert. Wir wissen aber auch, es ist immer noch viel zu tun.

Deutschland kann alles erreichen. Wir haben eine gute Basis. Wir leben in einer Demokratie. Wir dürfen und sollen eine Meinung haben.

Lasst uns unsere Meinungen kundtun! Lasst uns Teil der Demokratie sein, lasst uns dieses Recht, dieses Privileg immer wieder bewusst machen und voll ausleben.

Denn eines ist klar, Demokratie funktioniert auf Dauer nur, wenn alle Mitmachen! Bitte gehen Sie wählen!

Nina Börning

 

 


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